Gedanken eines alten Militärs

Gedanken eines alten Militärs

oder

Was wollt Ihr eigentlich?

aufgeschnappt von Arno Pasternak, Hagen


(Stand: 16.5.1999)

Es ist doch nur konsequent und richtig, wenn die NATO die Chance ergriffen hat, am Ende des Jahrhunderts noch einmal zu zeigen, wozu Militärs in der Lage sind.

Zu lange haben wir doch warten müssen. Nach dem Kriege war den Menschen das Kriegführen echt vergangen. Krieg als Mittel der Politik hatte erstmal in den Köpfen ausgedient. Und als dann die ersten Nachkriegsjahre vorbei waren, da waren die Militärblocke schon so mit Atomwaffen vollgestopft, dass es ratsam schien, diese Maschinerie nicht zu benutzen, wenn man nicht selber draufgehen wollte. Schade, das schöne Kriegsspielzeug vor sich hin verrosten zu sehen. Natürlich schön, wenn die nationalen Parlamente sich trotzdem immer wieder bescheissen liessen, dass man neues Spielzeug brauchen würde, weil sonst der böse Russe oder Ami je nach Sichtweise ja angreifen könne.

Verdammt gefährlich wurde es dann ja nach der Wende im Osten. Es war auch ein grosser Fehler gewesen, die Menschen nur vor der Gefahr aus dem Osten zu warnen, gab es doch im Prinzip genügend Gründe, Ordnung in der Welt schaffen. Leider musste man tatsächlich die Armeen verkleinern.

Aber der grosse Hammer blieb aus: Obwohl der Warschauer Pakt sich auflöste, konnte verhindert werden, dass auch die Nato sich auflösen musste.Die Strategie anschliessend war verdammt gut. Mit dem Golf-Krieg wurde gezeigt, dass es trotz aller Befürchtungen der Kriegsgegner ein Krieg heute wieder führbar ist und der alten Bundesregierung war es vortrefflich gelungen, die Bevölkerung davon zu überzeugen, dass Militarisierung und die Beteiligung deutscher Soldaten zuerst an Blauhelmaktionen, dann an allgemeinen UNO-Aktionen, und jetzt sogar an nicht von der UNO sanktionierten Massnahmen nicht Grossmachtstreben, sondern 'Verantwortung in Europa' darstellt. Das hat herrlich geklappt.

Und jetzt, dieser Glücksfall! Wer hätte denn gedacht, dass dieser Milosevic so ausdauernd die Balkankrise vorantreibt. Dank den Kleinstaatenfürsten in den Ministaaten da unten wie Tutschman, Milosevic und wie sie sonst noch alle heissen, die Namen kann man sich ja nicht merken. Die sind auch wirklich egal

Ja, liebe Ex-DDR-ler. Eure Wende war ja blutlos. Das durfte sich nicht wiederholen. Auf Dauer wären die Menschen hierzulande nur noch darauf gekommen, politische Probleme nicht militärisch zu lösen. Eine furchtbare Vorstellung. Gut, dass man nicht nachweisen kann, dass bei Nichteinmischung der Nato die Vertreibung und das Elend im Kosovo vielleicht nicht grösser gewesen wäre. So können wir jedem Kriegsgegner das mögliche grössere Elend im Kosovo als persönliche Schuld zuschreiben, während unsere Toten natürlich Tote im Sinne der und für die Humanität sind.

Es war eine Fügung, dass kurz vor dem Beginn des Krieges die Regierung in der BRD gewechselt hat. Wer hätte je gedacht, dass es so einfach sein würde, die Mehrheit der Grünen aus ihrem Pazifistendasein zu echten Nato-Getreuen zu machen. Vielleicht gelingt es ja noch, sie dazu zu bringen, die Nachrüstungsdiskussion aus den achtziger Jahren für einen Fehler zu halten, indem auch sie deutlich machen, dass echte Friedenspoltik nur durch Führen von Kriegen möglich ist.

Insofern können wir also mit diesem Jahrhundert zufrieden sein. Wir haben oft in diesem Jahrhundert mächtig und fast überall rumballern dürfen, wir haben nach langer Zeit jetzt wieder das Sagen, Kriegsgegner werden endlich wieder fast wie Landesverräter behandelt.

Und endlich hat auch die SPD ihren Kriegskanzler und Kriegsminister. (Tut mir leid, wenn ich diesen Scharping in den Pressekonferenzen sehe, irgendwie muss ich dann doch immer etwas grinsen. Ob er selber nicht merkt, wie wir ihn hinters Licht führen? Hat der noch nie was Propaganda gehört?) Dass diese Figuren auch noch aus der linken Bewegung der 60- und 70-Jahre kommen, hätte ich mir aber nicht träumen lassen. Aber das nimmt man gerne mit. Und wie dümmlich das Parteivolk hinterhertrottelt!

Ich hätte nicht geglaubt, dass dies alles schon zum 50-jährigen Bestehen der Bundesrepublik klappen würde. Mindestens zwanzig Jahre nach der Wende in der DDR hatte ich eigentlich veranschlagt.

Also, auf ins 21. Jahrhundert!

Zündet schon mal die Raketen!